Affektbilanz

In meiner Coaching-Ausbildung habe ich auch die Affektbilanz kennengelernt. Entwickelt wurde sie von Maja Storch im Rahmen des Zürcher Ressourcen Modells. In der Theorie mochte ich dieses Tool nicht besonders gerne. Ich kann gar nicht genau erklären warum, es schien mir irgendwie zu nüchtern. Nun ergab es sich, dass ich im Rahmen meines Abschlusscoachings einen Coachee mit einem Anliegen hatte, für das die Affektbilanz einfach passte wie die Faust aufs Auge. So kam es, dass ich sie zum 1. Mal praktisch in einem Coaching einsetzte. Mit dem Ergebnis, dass nicht nur mein Coachee auf eine für ihn gute Lösung kam und ich meine Abschlussprüfung bestand, sondern darüber hinaus auch meine – unbegründeten – Vorbehalte gegen die Affektbilanz verschwanden.

Die Affektbilanz hilft dem Coachee, sich zwischen zwei Alternativen zu entscheiden.

Die Affektbilanz ist gut im Rahmen eines Coachings einsetzbar, wenn der Coachee vor einer Entscheidung steht und sich zwischen zwei Alternativen entscheiden muss. Sie hilft ihm, verstandesgemäße Einschätzungen mit seinem unterbewussten Bauchgefühl in Einklang zu bringen.

Im Gespräch gehen Coach und Coachee die beiden in Frage kommenden Alternativen durch, besprechen die Vor- und Nachteile und schaffen auf diesem Weg erst einmal Klarheit über die aktuelle Situation.

Der Coach malt dem Coachee anschließend seine noch leere Affektbilanz auf. Dazu werden beide Alternativen auf ein Flipchart aufgeschrieben, beide Alternativen erhalten eine Plus- und eine Minusskala mit den Werten 0% und 100%. Auf die Plusskala trägt der Coachee mit einem Kreuz sein positives Gefühl zur 1. Alternative ein, auf der Minusskala das negative. Mit der 2. Alternative geht er genauso vor und erfasst erst die positive und dann die negative Emotion dazu. Am besten schreibt er jeweils neben sein Kreuz auch noch einen Prozentwert, den er dem jeweiligen positiven oder negativen Gefühl zuschreibt. Das sollte jeweils spontan und aus dem Bauch heraus erfolgen.

Die Affektbilanz sieht dann am Ende etwa so aus:

Affektbilanz
Die Affektbilanz hilft dem Coachee, sich zwischen zwei Alternativen zu entscheiden.

Im nächsten Schritt geht es darum, die Gefühle des Coachee für die beiden Alternativen genauer zu betrachten. Es könnte ggf. jetzt schon sein, dass die Ergebnisse relativ eindeutig für eine der beiden Alternativen sprechen und die Affektbilanz dies dem Coachee überhaupt erst transparent macht. Es könnte aber auch sein, dass die Einschätzung des Coachee für beide Alternativen ähnlich ist oder je Alternative die positiven wie die negativen Gefühle aufgrund der Kreuze gleich stark (oder gleich schwach) zu sein scheinen.

Hier kann der Coach mit Fragen aufsetzen:

    • Was sind die Gründe für die positiven Emotionen?
    • Was sind die Gründe für die negativen Emotionen?
    • Was könnte negative Gefühle reduzieren?
    • Was könnte positive Gefühle stärken?
    • Was fehlt jeweils für eine klare Präferenz der beiden Alternativen?

Mit Hilfe der Fragen kann sich der Coachee überlegen, wie er seinen Gefühlszustand so verändern kann, dass er zu einer klaren Präferenz bei den beiden Alternativen kommt. Was kann er beeinflussen, was ggf. nicht? Am Ende hat der Coachee auf diesem Weg Handlungsoptionen für sich erarbeitet, die ihm helfen, eine Entscheidung zu treffen.

Die Affektbilanz ist sicher nicht das richtige Tool, um sich im Restaurant für ein Essen zu entscheiden. Wenn der Coachee aber in einer Blockade feststeckt und nicht mehr zu einer Entscheidung und damit nicht mehr zum Handeln fähig ist, kann sie sehr gut helfen, die verschiedenen Optionen zu beleuchten, dabei Kopf und Bauch in Einklang zu bringen und am Ende den Coachee dabei unterstützen, wieder ins Handeln zu kommen.

Auf Zeit zu leben hat Maja Storch im Rahmen eines Interviews die verschiedene Schritte ausführlich erläutert.

Nach meinem Abschlusscoaching kann ich übrigens sagen: Ich mag die Affektbilanz jetzt doch :-).

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