Die 5 Scrum-Werte

In Scrum gibt es fünf Werte, auf denen das Framework basiert und die im Scrumguide genannt werden. Auf diese fünf Werte möchte ich hier gerne etwas genauer eingehen und euch erzählen, was diese Werte für mich bedeuten bzw. wie und wo ich sie in meinem (Berufs-)Alltag erlebe.

Die fünf Scrum-Werte sind Selbstverpflichtung (wobei das englische Wort Commitment oftmals einfach unübersetzt übernommen wird), Mut, Fokus, Offenheit und Respekt. Der besseren Lesbarkeit halber möchte ich hier bei diesen Begriffen bleiben.

Der Scrumguide fasst sich zu den Scrum-Werten insgesamt relativ kurz:

  1. When the values of commitment, courage, focus, openness and respect are embodied and lived by the Scrum Team, the Scrum pillars of transparency, inspection, and adaptation come to life and build trust for everyone. The Scrum Team members learn and explore those values as they work with the Scrum roles, events, and artifacts.

Successful use of Scrum depends on people becoming more proficient in living these five values. People personally commit to achieving the goals of the Scrum Team. The Scrum Team members have courage to do the right thing and work on tough problems. Everyone focuses on the work of the Sprint and the goals of the Scrum Team. The Scrum Team and its stakeholders agree to be open about all the work and the challenges with performing the work. Scrum Team members respect each other to be capable, independent people.

Warum sind Werte überhaupt so wichtig, dass sie sogar in den Scrumguide aufgenommen werden?
Für mich liefern sie einen Rahmen, an dem sich jeder orientieren kann und der Struktur gibt in der Zusammenarbeit von Menschen. Damit passen sie perfekt in das Framework als elementarer Bestandteil von Scrum hinein.

Lasst uns mal der Reihe nach auf die einzelnen Werte und ihre Bedeutung schauen.

Commitment oder auch Selbstverpflichtung bedeutet für mich in 1. Linie das Versprechen, das ein Scrum-Team dem Product Owner für einen Sprint gibt. Im Planning sagt das Team dem Product Owner verbindlich zu, was es im nächsten Sprint alles für ihn umsetzen wird. Aus meiner Sicht ist es wichtig, dieses Commitment von Anfang an wirklich ernst zu nehmen. „Wird schon irgendwie gehen“ ist eine Aussage, die ich so als Scrum Master nicht akzeptiere, weil ich in dem Moment nicht erkennen kann, ob sich derjenige ernsthaft der Bedeutung seines Commitments bewusst ist. Man kann es mit einer Art Vertrag gleichsetzen, den das Scrum-Team gemeinsam mit dem Product Owner für den Inhalt des kommenden Sprints abschließt. Dabei ist jeder Einzelne im Team mit dafür verantwortlich, dass dieser Vertrag vom gesamten Team eingehalten werden kann.

Commitment geht aus meiner Sicht aber noch deutlich weiter, denn letztlich braucht alles, was in einem Team vereinbart wird, eine gewisse Verbindlichkeit, auf die sich die anderen verlassen können sollten. Ob es darum geht, pünktlich zu einem Meeting zu erscheinen und die anderen nicht unnötig auf Kosten ihrer Zeit warten zu lassen oder darum, dass man insbesondere auch selbst im Team festgelegte Regeln einhält, dass Vertrauliches aus der Retrospektive vertraulich bleibt, dass sich der eine einfach auf das Wort des anderen verlassen kann …  – all das fällt für mich unter den Begriff Commitment.

Zu Mut gehört für mich, auch mal ohne komplette Analyse aller Risiken und Nebenwirkungen etwas Neues zu versuchen und eine gewisse Unsicherheit auszuhalten. Ich kann viel Zeit in Analysen stecken, werde aber möglicherweise nur bedingt schlauer dadurch, denn erst wenn ich etwas ausprobiere, weiß ich wirklich, ob es funktioniert. Mut bedeutet, Risiken einzugehen – nicht leichtfertig, sondern da, wo es angebracht ist. Ich achte für mich selbst darauf, immer wieder neue Dinge anzugehen und mich an Unbekanntes heran zu wagen. Das kann man im Kleinen wie im Großen ständig üben, so dass dieses Ausprobieren irgendwann eine völlig selbstverständliche Haltung wird. Mut heißt dabei aus meiner Sicht auch, mit den Konsequenzen meines eigenen Tuns umzugehen und dafür einzustehen. Mut zeigt man außerdem, wenn man ggf. auch mal eine gegenteilige Meinung vertritt – möglichst sachlich und konstruktiv natürlich :-).

Fokus ist meine eigene größte Schwachstelle, da ich gerne tausend Dinge gleichzeitig mache, lauter verschiedene Dinge nebeneinander anfange, mich für Vieles begeistern kann, um dann auch ganz schnell wieder den Elan zu verlieren und nichts zu Ende zu bringen. Das beschreibt schon ganz gut, was Fokus eben nicht ist :-). Die Fokussierung auf eine Aufgabe zur gleichen Zeit hilft, konzentriert an den anstehenden und wichtigsten Themen zu arbeiten, das Relevante im Blick zu behalten und sich nicht mit Nebensächlichkeiten zu verzetteln. Multitasking ist für mich der Feind der Fokussierung. Vermeintlich erhöht sie die Geschwindigkeit, in der wir Dinge erledigen, aber tatsächlich ist entweder das Gegenteil der Fall – wir brauchen länger – oder es leidet die Qualität der Ergebnisse. Scrum und das getaktete Vorgehen in kurzen Sprints hilft dabei aus meiner Sicht, dass wir den Fokus immer wieder auf die wichtigsten Themen richten können, sofern das Backlog sauber priorisiert ist und alle diese Priorisierung berücksichtigen.

Offenheit halte ich leider auch nicht immer ein, denn so einfach ist das gar nicht, immer offen zu sein und gerade persönliche Konflikte nicht einfach unter den Teppich zu kehren. Wie leicht ist es, sich in Abwesenheit über jemanden aufzuregen, anstatt mit ihm zu sprechen? Offenheit bedeutet, meine Meinung zu sagen, aber es gibt doch noch viel zu oft Situationen, in denen ich lieber den Mund halte. Insbesondere dann, wenn ich mich nicht in einem „sicheren Raum“ fühle und wenn ich den Eindruck habe, offen meine Meinung zu sagen, ist hier nicht opportun. Offenheit vergrößert die Chance, die besten Lösungen zu finden und umzusetzen. Für das Lösen von Problemen ist es elementar wichtig, sie vorher offen anzusprechen und so offen wie möglich über mögliche Lösungen zu diskutieren. Offenheit basiert damit stark auf dem gegenseitigen Vertrauen, offen sein zu können.

Damit sind wir auch schon beim letzten Wert, Respekt, ohne den aus meiner Sicht echte Offenheit gar nicht möglich ist. Nur wer sich respektiert fühlt, wird sich trauen, Fehler offen anzusprechen. Menschen mit Respekt zu behandeln, sehe ich als die unabdingbare Grundlage für eine gute Zusammenarbeit an und um in einem Team gegenseitiges Vertrauen zu schaffen. Respekt bedeutet dabei für mich, jedem Menschen Wertschätzung und Achtung entgegen zu bringen und ihn als eigenständiges Individuum zu akzeptieren. Und obwohl man häufig hören kann, dass Respekt und auch die anderen Werte doch selbstverständlich seien und zu einer guten Kinderstube gehörten, gelingt es in der Praxis oft genug nicht, sie wirklich konsequent zu berücksichtigen und das eigene Handeln danach auszurichten. Wenn man sich außerdem noch etwas mit gewaltfreier Kommunikation beschäftigt, wird einem schnell klar, wie einfach es ist andere Menschen mit Respektlosigkeit zu verletzen – und das häufig sogar ganz unbewusst und ohne böse Absicht.

In welchen Scrum-Events kommen die Werte vor?
Jedes einzelne Scrum-Event ist eine gute Möglichkeit, die fünf Werte zu leben und zu zeigen, wie ernst sie genommen werden. Sollten die Werte vernachlässigt werden, ist es sowohl das Recht als auch die Pflicht des Scrum Masters, das Team darauf aufmerksam zu machen. Wir haben bei uns eine Art „Werteplakat“ aufgehängt, um die fünf Werte und unseren Umgang damit immer möglichst präsent zu halten. Jeder kann im Team Punkte verteilen, wenn es Situationen gab, in denen einer der Scrum-Werte besonders prägnant berücksichtigt und gelebt wurde. Aktuell kommt der Input meistens noch von mir, aber daran arbeiten wir :-).

Wie weit kann die Berücksichtigung der Scrum-Werte auch im normalen Alltag außerhalb des Jobs gehen?

Es ist ja absolut etwas dran, dass diese Werte zu einer guten Kinderstube gehören. Von daher schließen sich aus meiner Sicht in diesem Bereich Arbeit und Privatleben überhaupt nicht aus – irgendwie geht das Denken und Handeln nach diesen Werten immer stärker in Fleisch und Blut über, je mehr man sich damit beschäftigt. Wie weit das agile Mindset in den persönlichen Alltag Einzug halten kann, könnt ihr in dieser sehr kurzweiligen Podcastfolge hören: In Mein Scrum ist kaputt Folge 44 – Agiles Privatleben erzählt Agile Coach Bernd Schiffer im Interview auf sehr kurzweilige Art und Weise, wie die agile Denkweise mittlerweile sein ganzes Privatleben von Auswanderung über Kinderkriegen bis hin zu Kindererziehung beinflusst.

Wie lebt ihr diese Werte, spielen sie für euch eine Rolle und wenn ja wie und wo? Ich freue mich über euer Feedback!

Eine Antwort auf „Die 5 Scrum-Werte“

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