Eigentlich wäre ich jetzt beim Ski fahren …

Normalerweise würde es heute keinen Blogbeitrag geben, denn eigentlich wäre ich seit Freitagnachmittag mit Freunden im Skiurlaub in der Schweiz. Donnerstagabend haben wir aufgrund der aktuellen Entwicklung rund um COVID19 gemeinsam schweren Herzens beschlossen, dass wir nicht fahren. Wir wollten das Risiko nicht eingehen, im Laufe der nächsten Woche in der Schweiz festzuhängen. Wahrscheinlich ist es auch nur noch eine Frage der Zeit, dass keine Skilifte mehr fahren, weitere Grenzen dicht gemacht werden und der Urlaub ohnehin kein entspannter Skiurlaub geworden wäre. Von den möglichen gesundheitlichen Auswirkungen für uns und andere mal ganz abgesehen. In der momentanen Situation fühlt es sich für mich deutlich besser an, Zuhause zu bleiben und nicht wirklich notwendige Reisen ins Ausland zu vermeiden.

Wir befinden uns in einer globalen Krise, möglicherweise sogar erst am Anfang davon. Ich selbst bin dabei noch in einer privilegierten Situation, das ist mir durchaus bewusst. Ich muss mir keine Sorgen um meinen Job und mein Gehalt machen, ich muss mir keine Gedanken über ungeplante Kinderbetreuung für die nächsten Wochen machen. Ich bin keinen besonderen Risiken ausgesetzt und kann es notfalls durchaus auch mal eine Weile Zuhause aushalten.

Aber ich bin nicht alleine auf der Welt. Und auch ich merke natürlich, dass nicht mehr alles möglich ist, dass ich die nächsten Woche auf die Gegenwart lieber Menschen sowie auf lieb gewonnene Dinge und geplante Aktivitäten verzichten muss. Dass nicht mehr alles so funktioniert, wie ich es gewohnt bin. Der Skiurlaub ist nur eins dieser Themen. Ich werde die nächsten Wochen einige Kollegen nicht mehr persönlich treffen dürfen. Wie ich meinen Job als Agile Master im Homeoffice gut ausüben kann, ist mir gerade noch ein Rätsel. Ob ich übernächste Woche wie geplant an einem Coachingtraining teilnehmen werde, weiß ich derzeit nicht. Ich merke, dass meine eigene Unsicherheit steigt, weil nicht absehbar ist, wie sich die nächsten Wochen entwickeln.

Wikipedia definiert eine Krise folgendermaßen:

Die Krise bezeichnet im Allgemeinen einen Höhepunkt oder Wendepunkt einer gefährlichen Konfliktentwicklung in einem natürlichen oder sozialen System, dem eine massive und problematische Funktionsstörung über einen gewissen Zeitraum vorausging und die eher kürzer als länger andauert.

Die mit dem Wendepunkt verknüpfte Entscheidungssituation bietet in der Regel sowohl die Chance zur Lösung der Konflikte als auch die Möglichkeit zu deren Verschärfung. …

Steigende Unsicherheit kann bei mir durchaus zu einem Gefühl von Angst führen. Angst wiederum erhöht meinen Stresslevel, der es mir schwer macht, rational mit der Situation umzugehen und empathisch auf mein Umfeld zu reagieren.

Das möchte ich nicht.

Ich möchte weiterhin darauf vertrauen, dass wir diese Krise meistern können. Dass ich selbst mit dieser Situation zuversichtlich umgehen kann. Daher möchte ich alles versuchen, um einen Blick auf die Chancen zu richten, die sich in dieser Situation auch bieten. Welche Alternativen habe ich beispielsweise, um meine Arbeit digital zu gestalten? Es ist leicht, geplante Veranstaltungen abzusagen und damit auch in Teilen Rückschritte in unserer agilen Transformation einfach in Kauf zu nehmen. Wäre es nicht besser, mögliche Handlungsoptionen auszuloten und zu überlegen, wie man die Veranstaltungen stattdessen digital abhalten kann? Was können wir daraus lernen?

Mittlerweile gibt es schon ermutigende Beispiele dafür. Restaurants und Geschäfte, die zwar ihren normalen Betrieb reduzieren oder sogar ganz einstellen müssen, dafür aber Liefermöglichkeiten aufziehen. Die Yogalehrerin, die ihre Kurse nicht mehr abhalten kann und daher nun einen Livestream organisiert. Musiker, die ihre Konzerte auf Periscope abhalten. Eine Schauspielerin, die gerade nicht arbeiten kann, und dafür arbeitenden Eltern Kinderbetreuung anbietet.

Versteht mich nicht falsch – ich möchte die Situation nicht verharmlosen oder den Eindruck einer heilen Welt vermitteln. Dafür sind schon viel zu viele Menschen gestorben und andere schlimme Dinge passiert. Und sicher sage ich das leicht, da ich mir keine existenziellen Sorgen machen muss. Gerade deshalb finde ich es wichtig, dass ich nicht einfach ins Jammern verfalle, sondern lieber über mögliche Alternativen nachdenke, wie ich mit der Situation umgehen kann.  Wie ich anderen helfen kann, die momentan mehr zu kämpfen haben als ich. Denn das ist für mich der Weg, der uns helfen wird, durch diese Phase durchzukommen und am Ende möglichst stärker und resilienter daraus hervorzugehen.

Nächste Woche möchte ich gemeinsam mit meinem Team überlegen, wie wir die nächsten Wochen gut zusammen arbeiten können und welche Methoden für uns in der digitalen Zusammenarbeit funktionieren bzw. welche nicht. Über meine Erfahrungen halte ich euch gerne weiter auf dem Laufenden und freue mich auch, wenn ihr eure Erkenntnisse mit mir teilt.

In Italien scheint der Lockdown erste positive Wirkung zu zeigen. Das sind endlich mal gute Nachrichten.


Weitere tolle Ideen und Möglichkeiten, was man gerade tun kann, könnt ihr hier nachlesen – und die Liste wird permanent länger!

Der Duden schaltet als Reaktion auf die bundesweiten Schulschließungen seine Lernplattform Learnattack zwei Monate kostenlos für Schüler frei.

Bei verliebtinyoga gab es heute Abend Yin Yoga online als Experiment.

Das Johann-Schäfer in der Kölner Südstadt bietet ab sofort einen Lieferservice.

Aber auch wenn man selbst kochen möchte, gibt es Unterstützung:

Bei moey’s kitchen findet man 20 schnelle Hauptgerichte.

Und auch für Kinder gibt es virtuelles Programm:

Auch die Uffizien in Florenz wollen kleine virtuelle Kunsthäppchen anbieten.

Der Kölner Stadtanzeiger hat mal die mittlerweile gegründeten Facebookgruppen mit Unterstützungsangeboten zusammengefasst.

Und für die Bäcker unter euch hat das Quarkkrokettchen noch ein Brotrezept:

Schreibe einen Kommentar

Datenschutzhinweise: Die Kommentarangaben werden mit Spambee überprüft. Zu Details hierzu sowie generell zur Verarbeitung eurer Daten und Widerrufsmöglichkeiten verweise ich euch auf meine Datenschutzerklärung. Ihr könnt gerne Pseudonyme und anonyme Angaben hinterlassen.

Ich freue mich über jeden Kommentar!

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Wenn Du das Häkchen anklickst, wird ein Cookie gesetzt!