Meine Lieblings-Coachingtools

Mittlerweile ist mein Coaching-Methodenkoffer durch meine Coachingausbildung schon ganz gut bestückt. Das heißt aber keineswegs, dass ich fertig bin mit Lernen – im Gegenteil. Ich habe den Eindruck, die Ausbildung war nur der initiale Anstoß für mich, immer weiter lernen zu wollen und mich selbst auch immer weiter zu entwickeln als Coach. Coach zu sein heißt für mich auch, mich intensiv mit meiner eigenen Persönlichkeit auseinander zu setzen. Mittlerweile ist Coaching für mich gar nicht mehr denkbar, ohne den Fokus auf meine persönliche Entwicklung zu legen.

Unabhängig davon möchte ich euch heute gerne meine aktuellen Lieblingstools nennen, also die Coachingmethoden, die ich relativ häufig in meinen Coachings nutze. Ich möchte euch außerdem erzählen, warum ich diese Tools so mag und welche Erfahrungen ich mittlerweile schon mit ihnen gemacht habe. Alle drei Tools habe ich hier im Blog bereits beschrieben, so dass ich inhaltlich auf diese Blogbeiträge verweisen kann.

Arbeiten mit einer Skala

Die von mir bereits beschriebene Skala von 1 – 10 klingt so banal in ihrer Beschreibung. Ich schätze unter anderem gerade an ihr, dass sie so einfach und unkompliziert ist. Egal wo ich bin, eine Skala kann ich immer mal schnell aufmalen. Ich brauche kein aufwändiges Handwerkszeug dafür. Davon aber abgesehen, kann sie auch in ihrer Funktion und Wirkung sehr eindrucksvoll sein und hilft sowohl dem Coach als auch dem Coachee im Coaching, überhaupt erst einmal auf leicht verständlichem Weg zu erkennen, wo der Coachee steht und wo er/sie sich in einem bestimmten Bereich hin entwickeln möchte. Über die Skala ist das sehr schön transparent zu machen und man kann in allen weiteren Coachings immer wieder einen Blick auf die ursprüngliche Skala werfen, was sich ggf. schon verändert hat und wo noch weitere Veränderung nötig ist für den Coachee. Für mich schafft die Skala genau das: Transparenz. Sie macht für mich ein diffuses „alles ist schlimm“ oder „es soll besser werden“ konkreter, weil ich mit der Skala und ihren Stufen im Gespräch gut arbeiten kann. Wie schlimm ist es denn genau? Wie viel besser sollte es im ersten Schritt werden?

Ich selbst habe mich bisher im Coaching lediglich mit dieser Zahlenskala beschäftigt. Ich denke allerdings, dass man das Prinzip der Skala durchaus noch weiter ausdehnen und auch in anderen Bereichen nutzen kann. Bspw. konnte ich im Rahmen eines Coachings eine Skala zur Einschätzung des subjektiven Empfindens kennenlernen, d.h. eine Skala, mit der man sich genauer mit seinen empfundenen Gefühlen auseinander setzt, um in diesem Bereich Transparenz schaffen. Hiermit werde ich mich nächstes Jahr im Rahmen eines mehrtägigen Trainings intensiver beschäftigen und dann natürlich auch hier davon erzählen.

Mikrothesen

Mikrothesen sind konkrete Aussagen, ausdrücklich keine Fragen, die der Coach im Rahmen des personenzentrierten Coachings gegenüber dem Coachee bzgl. eines vermuteten Gefühls oder einer vermuteten Absicht äußert. Über diese Thesen versucht der Coach, dem Gefühl des Coachees möglichst nahe zu kommen und sich mit Empathie ganz in seine Situation hinein zu versetzen.

Ich LIEBE Mikrothesen im Coaching, weil sie so schön einfach sind, wenn man den Gedanken dahinter und ihre Funktionsweise verstanden hat. Und weil sie trotzdem so wunderbar wirksam sind.

Mikrothesen sind aus meiner Sicht ein sehr kraftvolles Tool, das zum einen dem Coachee immer wieder Impulse zum Reflektieren geben kann. Mit starken Mikrothesen mache ich es ihm relativ leicht, über meine Aussagen nachzudenken und seine Gedanken dazu mit mir zu teilen. Ich habe häufig den Eindruck, gute Mikrothesen ermöglichen es dem Coachee, offen auszusprechen, was ihn bewegt. Zum Teil bringen sie ihn sogar erst darauf, was ihn gerade bewegen könnte.

Zum anderen helfen Mikrothesen mir als Coach, Informationen und Gedanken des Coachees aufzunehmen und intensiv zuzuhören, wie er auf den gegebenen Impuls reagiert. Lehnt er ihn ab? Stimmt er ihm zu? Fängt er an, darüber nachzudenken? Mikrothesen unterstützen mich darin, zu verifizieren, ob mein Gedankengang in die richtige Richtung geht, ob ich hier tiefer graben sollte oder ob ich möglicherweise im Coaching in die falsche Richtung abschweife. Dadurch dass Mikrothesen den Coachee sehr leicht zum Reden bringen, lassen sie mir auch immer wieder eine kleine Pause zum Zuhören und helfen mir, weiter zu forschen und zu verstehen, was bei meinem Coachee gerade los ist.

Drei-Weltenmodell

Ich glaube, das Drei-Weltenmodell ist das von mir bisher am öftesten genutzte Tool im Coaching. Ich finde einfach, es eignet sich immer so perfekt für eine Art Bestandsaufnahme und gibt wunderbare Anstöße zur Reflexion der eigenen Geschichte. Im Coaching konnte ich damit schon wunderbare Erkenntnisse bei meinen Coachees erreichen. So wurde bspw. einem meiner Coachees im Coaching bewusst, dass sein Ziel, Geschäftsführer zu werden, mit seinem wichtigsten Wert – Demut – im Konflikt stand. Dieses Modell ist meiner Meinung nach nicht nur im Coaching zwischen Coach und Coachee so gut einsetzbar, sondern wenn man es kennt und ein wenig in Selbstreflexion geübt ist, eignet es sich auch wunderbar dazu, es für sich selbst und ohne Coach auszufüllen und das Ergebnis sowohl allein als auch mit (einem) geeigneten Partner(n) zu reflektieren.

Kürzlich hatte ich die tolle Gelegenheit, in einem firmeninternen MeetUp über das Thema Veränderung zu sprechen. In diesem Zusammenhang habe ich zunächst im ersten Schritt meine eigene persönliche Geschichte erzählt, im zweiten Schritt anhand dieser das Drei-Weltenmodell theoretisch erklärt, zum praktischen Verständnis mit meiner Geschichte befüllt und meine Erkenntnisse daraus mit der gesamten Gruppe geteilt. Im dritten Schritt konnten die Teilnehmer in Kleingruppen jeweils selbst ein solches Modell für einen Freiwilligen erarbeiten. Das hat meiner Meinung nach wunderbar funktioniert. Es war mir wirklich eine große Freude, diese Session zu gestalten und den intensiven Austausch unter den Teilnehmern zu beobachten.

Meine Lieblings-Coachingtools

Fragen? Natürlich auch Fragen!

Ganz klar – auch Fragen sind ein Coachingtool (und sind dabei wie in dem verlinkten Artikel beschrieben klar von Mikrothesen abzugrenzen). Ohne Fragen ist ein gutes Coaching meiner Meinung nach gar nicht denkbar. Das klingt immer so simpel, denn wie man Fragen stellt, wissen wir natürlich alle. Allerdings kommt es darauf an, im richtigen Moment die richtigen Fragen zu finden, die beim Coachee einen intensiven Reflexionsprozess auslösen. Wie wichtig dafür gute Fragen sind, wie man diese stellt und welche verschiedenen Arten von Fragen es überhaupt gibt, werde ich demnächst mal in einem separaten Blogbeitrag beschreiben.

Welche Coachingtools habt ihr schon kennengelernt – als Coach oder Coachee – und welche davon sind euch am liebsten?

2 Antworten auf „Meine Lieblings-Coachingtools“

  1. Hallo Dagmar,
    Wieder ein super Artikel und ich teile deine Meinung zu den Tools.
    Die Mikrothesen sind wirklich sehr effektiv und ich liebe die auch!
    Die Skala ist auch wirklich gut – hier benutze ich auch gerne die Affektbilanz weil sie das Gefühl in positiv und negativ unterteilt und dadurch sehr wichtige Erkenntnisse liefert.
    Mein Top 3 Tool wäre dann noch die Wunderfrage! Kann auch gut helfen, wenn die Situation verfahren ist…
    Viele Grüße
    Christoph

    1. Hallo Christoph
      vielen Dank für dein Feedback! Fragen sind ja generell sehr mächtig, die Wunderfrage ganz besonders – da kommt auch irgendwann noch ein eigener Beitrag zu 🙂 Die Affektbilanz hab ich auch schon mal verbloggt. Ich mochte sie ja zuerst überhaupt nicht, weil sie mir so nüchtern erschien. Bis ich sie in meinem Abschlusscoaching einsetzen konnte und sie einfach perfekt zum Anliegen meines Coachees passte. Daran sieht man auch, dass jedes Tool irgendwie seine Berechtigung hat, wenn das Anliegen geeignet ist dafür.
      Weiterhin auch dir ganz viel Spaß beim Coachen und Erfahrung sammeln 🙂
      Viele Grüße
      Dagmar

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